Vorwort Loire-Tour

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ich habe gerade ein paar Blätter gefunden mit der Überschrift:
„E1000 km webssen und Trinken“ – eine Tour ohne Tours
1000 km auf dem Fahrrad durch Frankreich
Start 09.07.1983 in Saarbrücken

Dort habe ich (wahrscheinlich nachträglich) meine Reise geschildert)

Der Bericht beginnt so:

>> Frage ich mich heute was mich dazu brachte am 09. Juli 1987 frühmorgens in Frankreich einzufahren, fällt die Antwort sehr vielschichtig aus.

Sicherlich war der Wunsch, einen schönen Urlaub zu erleben stark bestimmend. Nach Frankreich, an den Atlantik sollte es gehen. Die Urlaubskasse war nicht besonders reichlich gefüllt, so dass ich auf das Fahrrade als Transportmittel verfiel. Ein neues sollte es sein.

Mein bepacktes Rad (in Chablis)
Mein bepacktes Rad (in Chablis

Ich erstand ein 10-Gang-Rad Marke Orkan, recht preiswert. Der Verkäufer pries es. Der Monteur in der Werkstatt war etwas skeptischer, als er meine Pläne hörte, das sah man ihm an. Als ich neulich mein neues Fahrrad für die diesjährige Tour kaufte, fasste er diese Bedenken in Worte. „Sind sie überhaupt angekommen?“ fragte er und fügte hinzu als ich bejahte: „Das spricht für das Fahrrad!“

Sicherlich!

(Anmerkung 2015: Rad und Gepäcktaschen waren nicht so optimal)

Ein weiterer Grund mag in einer kindlichen Lektüre gelegen haben. Ich las vor vielen Jahren Bücher von einem Radler, der auf zwei Rädern die Welt entdeckte.

Auch Karl Mays „Reiseberichte“ haben mich stets gefesselt und im mir Fernweh sowie die Lust nach außergewöhnlichen Reisen geweckt. Ja Abenteuerlust (begrenzt, ohne Schießen) mag auch ein Grund gewesen.

Des Weiteren war es keine besonders erfolgreiche Zeit. Beruflich ging einiges daneben. Weibliche Zeitgenossinnen drückten auf unterschiedliche Art aus, ich sei ein typischer Junggeselle (nicht völlig unverbesserlich zwar, aber dieser Aufgabe fühlten sie sich nicht gewachsen.)

Ich wollte mir und anderen was beweisen!

Skeptiker gab es genug:

„Quer durch das große Frankreich?“

„Die Franzosen dürfen dieses Jahr nicht allzu viel Geld mit ins Ausland nehmen, da machen alle im Land Urlaub. Da willst Du nach Frankreich. Du findest keine Hotels!“

„Ganz allein, wird das nicht langweilig?“

„Oder gefährlich?“

Ich wollte! Und Hotels gedachte ich zu finden.

Ich arbeitete damals im Jugendzentrum. D. h. genauer gesagt würde ich nach dem Urlaub in ein anderes Jugendzentrum wechseln. Ich kam mit so vielen Menschen zusammen, das mir die Einsamkeit als Erholung diente, die wenige körperlich anstrengende Arbeit ließ mich nach Anstrengung im Urlaub lechzen. Andre Leute segeln halt um die Welt (oder die Küste entlang) oder kraxeln auf Berge (höhere oder niedrigere). Warum sollte ich nicht radeln?

Was der Grund war mag ich nicht beantworten.

„Alles auf einmal“ sagte der „Der kleine Hobbit“ Bilbo Beutlin (in Tolkiens Geschichte) zum Zauberer Gandalf und in ging in sein Abenteuer.

(An dieser Stelle ist das Brecht-Lied: Ja macht nur eine Plan eingefügt, das eine eigene Seite hat.)

Geplant war zunächst eine Tour mit einem Bekannten, der dann doch nicht mitfuhr.

Geplant war weiter, mein Fahrrad in Braunschweig in den Zug zu laden, unterwegs umzuladen und irgendwo im Nordwesten Frankreichs auszuladen.

In der Normandie z. B.

Der freundliche Herr von der Deutschen Bundesbahn belehrte mich allerdings, dass es die Fahrradkarte mit Selbstverladung international nicht gibt.<<

(Da hat sich einiges geändert)

>> Mein Fahrrad den internationalen, insbesondere der französischen Eisenbahn anzuvertrauen wagte ich nicht. Wie sich zeigte zu Recht. Mein Fahrrad brauchte für die Strecke La Baule – Braunschweig per Bahn als Reisegepäck über einen Monat. Ein Pärchen, dass ich bei einer meiner gelegentlichen Nachfragen bei der Gepäckaufgabe kennen gelernt habe, hatte noch mehr Pech. Ihre Fahrräder kamen zwar in Braunschweig (wieder) an, nicht aber in der Bretagne!

Schön dachte ich, fährst Du mit der Bahn mit an die Grenze (Saarbrücken war bald als günstiger Übergang ausgemacht), dann über die Grenze. Dann verlädst Du Dein Rad wieder, nach Paris z. B. oder die Umgebung. Dann fährst Du die Seine bis zum Atlantik Kommst an die Smaragdküste, nach St. Malo (was mir wärmstens empfohlen wurde) und noch ein paar nette Orte, die mir das Prospektmaterial vom französischen Reisebüro pries.

Und während ich mit mir noch diskutierte ob eine Fahrt am frühen Morgen durch Paris wohl im Sommer möglich sei (der Verkehr war mir bekannt), antwortete die SNCF auf meine Frage, ob das Selbstverladen bei den Zügen ihrer Gesellschaft möglich sei mit „NON!!“

Schön dachte ich, fährst Du eben nach Saarbrücken, fährst über die Grenze und versuchst das Meer zu erreichen.

Ich glaube der Gedanke, dass Meer zu erreichen, hat mich die ganz Zeit vorangetrieben, trotz aller Umwege.

Weiter mit Saarbrücken-Forbach