Ende einer Dienstzeit

Der Abschied von Herrn Lieberknecht war nicht überraschend. Überraschend war nur die knappe Meldung. Man trennt sich, Herr Lieberknecht hat keinen Vertrag für die 3. Liga. Das Herr Arnold zunächst bleibt ist überraschend. Aber der hat noch einen Vertrag für ein Jahr.

Wenn auch viele die kurze Mitteilung erbost sind. Ein sachliches Ende ist meiner Meinung nach angebracht. Weder hämisches Abrechnen noch eine Erhebung zum Halbgott wären sinnvoll.

Es gibt Stimmen, die eine Beendigung des Trainervertrags in den letzten Wochen für sinnvoll hielten. Ich glaube nicht, dass das die Eintracht gerettet hätte. Ein Trainerwechsel hätte früher stattfinden müssen. Zur Winterpause, nach der gescheiterten Relegation gegen Wolfsburg, nach dem Abstieg aus der 1. Liga wären sinnvolle Zeitpunkte gewesen,

Herr Lieberknecht hat m. E. zumindest einige Spieler „nicht mehr erreicht“.

Das sieht ein Teil der Fans anders, die Herrn Lieberknecht von allen freisprechen. Diese Fans sind nur ein Teil der Zuschauer. Bei ihnen wird deutlich, dass das Wort Fan eine Abkürzung von Fanatiker ist. Sie haben in der letzten Zeit u. a. durch Lautstärke andere Zuschauer an den Rand gedrängt und die Verantwortlichen im Verein unter Druck gesetzt. Einige meinen, sie hätten das Recht dazu zu bestimmen was im Verein passiert. Und sie glauben, dass sie Recht haben, das Recht gepachtet zu haben. Aber die Entscheidungen treffen die Gremien im Verein Eintracht Braunschweig. Kritik daran ist okay. Rechthaberei ist störend. Das erinnert mich an gewisse populistische Gruppen, die alle Argumente, die ihnen nicht passen, als Fake bezeichnen.

Neben der ruhigen Beendigung der Dienstzeit ist auch das weitgehend gewaltfreie Verhalten der Fans positiv bemerkenswert. Das relativiert zumindest die Gewalt-Exzesse und Böllerorgien.

Ich bin 1960 zum ersten Mal zufällig im Stadion gewesen. Eine Partie gegen Holstein Kiel. Ich war dann viele Jahre Anhänger des Vereins, regelmäßig war ich im Stadion. Auswärtsspiele habe ich auch besucht, z.B. in Hannover und München. Die Meisterschaft, die Spiele gegen Turin und Kiew sind mir noch in guter Erinnerung.

Dann kamen die Bundesliga-Skandale, schlechte Leistungen und eine Verrohung des Publikums. Als ich dann wegen einer m. M. harmlosen kritische Bemerkung von einem anderen Zuschauer Schläge angeboten kam, war es für mich zu Ende mit der Anhängerschaft.

Nun bereitet die mir missbräuchliche Macht einiges Fans Sorgen.

Ich war durch die Leistungen in den letzten Jahren nach dem Aufstieg in die 2. Liga wieder „Anhänger“ geworden, traf mich mit Freunden in der Kneipe zu den Spielen, fieberte mit. Das ich mich wieder Eintracht näherte, ist ein Verdienst von Herrn Lieberknecht. Er hat große Verdienste um Eintracht und den Fußball in BS.

Wer nun an dem Niedergang in den letzten Jahren Schuld ist, kann ich nicht beurteilen. Das gute Spieler schnell wieder gingen ist ebenso unverständlich, das von Herrn Lieberknecht in der Woche hoch gelobte Spieler dann nicht einmal auf der Bank saßen.

Die vielen verletzten Spieler lassen zumindest Zweifel an der Einkaufspolitik, der medizinischen Abteilung und / oder dem Training aufkommen.

Die Meinung, dass man ruhig Schulden machen sollte, um gute Spieler zu verpflichten, teile ich nicht. Der Braunschweiger Steuerzahler hat Eintracht oft genug mit Geld „gerettet“

Und dass es ohne Stars geht, zeigen viele andere Vereine. Holstein Kiel zum Beispiel.